Höchste Auszeichnung für Sinfonieorchester

Bei einem Festakt in Eberswalde erhielten die Häfler Musiker die Pro-Musica-Plakette

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Sie ist die höchste Auszeichnung für Laienorchester in Deutschland: die Pro-Musica-Plakette. Das Sinfonieorchester Friedrichshafen erhielt sie am Wochenende bei einem Festakt in Eberswalde bei Berlin. Vom Bundespräsidenten gestiftet, wird sie zum 100. Geburtstag an Ensembles verliehen, die sich „besondere Verdienste um die Pflege des instrumentalen Musizierens, und damit um die Förderung des kulturellen Lebens, erworben haben“, so die offizielle Definition.
„Das ist eine ganz große Ehre für uns, ein Höhepunkt im Orchesterleben“, sagte die Vorsitzende Andrea Hengelhaupt. „Die Plakette stärkt das Bewusstsein dafür, dass seit 100 Jahren in Friedrichshafen Leute aktiv sind, um dieses Orchester zu erhalten.“ Sie nahm die Plakette entgegen, die in diesem Jahr von Sabine Kunst, Ministerin für Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur in Brandenburg verliehen wurde. Zusammen mit Vertretern der Berliner Johanneskantorei stand das Orchester aus Friedrichshafen stellvertretend für weitere sieben Orchester und 37 Chöre.
Kunst lobte die „Liebe und Leidenschaft zur Musik“, die Laienmusiker zusammenhalte und betonte, wie wichtig musikalische Bildung gerade für Kinder und Jugendliche sei. „Die Musik ist der Garant für kulturelle Aktivitäten mit Breitenwirkung – nicht nur, aber gerade auch in ländlichen Räumen. Es ist meist ehrenamtliche Arbeit, die das Singen und Musizieren ermöglicht“, sagte sie.
Das Sinfonieorchester Friedrichshafen beteiligte sich am Festakt mit Elgars Streicherserenade – wie ein Überraschungsgast auf der eigenen Party: bis zum Auftritt warteten die Musiker lautlos hinter einem Vorhang, der sich erst zum Auftritt öffnete.
In Vertretung für Musikdirektor Joachim Trost dirigierte dessen Bruder Mathias Trost aus Sigmaringen. Er kannte das Orchester bereits aus früheren Proben. „Ich habe die Interpretation der Serenade mit meinem Bruder sehr detailliert abgesprochen“, sagte er nach dem gelungenen Konzert.
Die Streicher des Orchesters waren schon Freitagnacht angereist, um die „Tage der Chor- und Orchestermusik“ in Eberswalde mitzuerleben. Drei Tage lang trafen sich etwa 1100 Musiker in der Brandenburger Kreisstadt: 46 Ensembles traten an elf Veranstaltungsorten auf. „Es war eine sehr beeindruckende Veranstaltung, sie zeigte die Laienmusik in ihrer ganzen Vielfalt, da gab es Orchester, Jazzbands, Folkloreensembles und Chöre unterschiedlichster Art“, sagte Mathias Trost.
Geigerin Kathrin Bünger hat vor allem die unkonventionelle Atmosphäre gefallen: „Es war kaum länger als fünf Minuten Fußweg zwischen den Veranstaltungsorten, überall wurde Musik gemacht, Leute kamen und gingen.“
Arthur Bronner hat einer Gitarrengruppe sogar seinen Baß geliehen. „Die kamen aus Saarbrücken mit dem Zug und mussten mehrfach umsteigen. Da haben wir das schon im Vorfeld so verabredet“, sagte er.

Quelle: Südkurier vom 10.03.2016
http://www.suedkurier.de/region/bodenseekreis-oberschwaben/friedrichshafen/Hoechste-Auszeichnung-fuer-Sinfonieorchester;art372474,8578507